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Mut zur Veränderung: 180 Teilnehmende bei steirischer Fachtagung Klimabildung

Rund 180 Teilnehmende kamen am 5. Oktober 2026 im Steiermarkhof auf Einladung des Referats Klimaschutzkoordination des Landes Steiermark zur 3.Fachtagung zusammen. Unter dem Titel „Mut zur Veränderung – Menschen stärken, Wandel gestalten“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie gesellschaftlicher Wandel gelingen kann, was die Klimakrise psychisch mit Menschen macht und wie Klimabildung dazu beitragen kann, Menschen in Veränderungsprozessen zu stärken und handlungsfähig zu halten.

Pädagoginnen und Pädagogen, Multiplikatoren, Vertreter und Vertreterinnen von Gemeinden und Bildungseinrichtungen sowie Akteure aus Klimaschutz und Nachhaltigkeit nutzten den Tag für fachliche Impulse, Austausch und Vernetzung. Dabei wurde Klimabildung bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet – von den notwendigen gesellschaftlichen Transformationsprozessen über die psychologischen Auswirkungen der Klimakrise bis hin zum konkreten Umgang mit Klimaemotionen.

„Klimabildung bedeutet weit mehr als die Vermittlung von Wissen. Sie soll Menschen ermutigen, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung gemeinsam zu gestalten. Die rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse und das Engagement für Klimabildung in der Steiermark sind“, betonte Andrea Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin des Landes Steiermark.

Gesellschaftliche Transformation braucht viele Akteure

Lisa Bohunovsky von der BOKU Wien eröffnete den fachlichen Bogen mit der gesellschaftlichen Perspektive auf die Klimakrise und die notwendigen sozial-ökologischen Veränderungen. Sie zeigte auf, dass technologische Lösungen allein für eine tiefgreifende Transformation nicht ausreichen. Neben Effizienz und neuen technologischen Lösungen brauche es auch Veränderungen von Konsum- und Lebensweisen sowie von gesellschaftlichen Strukturen und mentalen Modellen. Als zentrale Transformationsfelder nahm sie unter anderem Ressourcen, Energie, Ernährung, Mobilität, Konsum und soziale Ungleichheiten in den Blick.

„Transformation findet statt – die Frage ist, ob wir sie aktiv gestalten. Für einen sicheren und gerechten Lebensraum braucht es Veränderungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen und das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Bildung. Bildung ist dabei ein wichtiger langfristiger Hebel: Sie stärkt Zukunftskompetenzen und kann Menschen dabei unterstützen, ihren eigenen Handabdruck und damit ihre Wirkung auf gesellschaftliche Strukturen zu vergrößern“, so Bohunovsky.

Zwischen Klimasorgen, Ohnmacht und Engagement

An die gesellschaftliche Perspektive knüpfte der Psychologe Tobias Schabetsberger mit einem Blick auf Klimakrise und Veränderung an. Er ging der Frage nach, warum Wissen über die Klimakrise nicht automatisch zum Handeln führt und warum Menschen sehr unterschiedlich auf Bedrohung und Veränderung reagieren. Dabei thematisierte er unterschiedliche Formen klimabezogener Belastungen – von Sorgen und Ängsten über Ohnmacht bis hin zu Erschöpfung und Rückzug – und nahm insbesondere auch Kinder und Jugendliche in den Blick.

„Die Klimakrise kann ganz unterschiedliche psychische Reaktionen auslösen. Entscheidend ist, weder Ohnmacht noch Überforderung zu verstärken, sondern den Blick darauf zu richten, was wir beeinflussen können. Akzeptanz dessen, was nicht in unserer Kontrolle liegt, Selbstfürsorge, Verbundenheit und realistische Handlungsmöglichkeiten können dabei helfen, auch angesichts großer Herausforderungen handlungsfähig zu bleiben“, erklärte Schabetsberger.

Dabei zeigte er auch das Spannungsfeld zwischen Engagement und Überforderung auf: Wer dauerhaft im Alarm- oder Antriebsmodus bleibt, läuft Gefahr zu erschöpfen. Für langfristiges Engagement brauche es deshalb ebenso Beruhigung, Fürsorge und Verbundenheit.

Daran anschließend vertiefte Hannah Lux in einem Online-Interview den Umgang mit Klimaemotionen. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurde der Blick darauf gerichtet, den jeweils eigenen Gestaltungsspielraum wahrzunehmen und daraus Wege zu einem verbundenen und gemeinschaftlichen Handeln zu entwickeln.

Neue Klima-Bildungspartner ausgezeichnet

Ein besonderer Höhepunkt der Fachtagung war die Auszeichnung der neuen Klima-Bildungspartner des Landes Steiermark. Mit Urkunden und Plaketten wurden Bildungseinrichtungen gewürdigt, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit dauerhaft in ihrer Bildungsarbeit verankern und damit wichtige Vorbilder für gelebte Klimabildung sind. Die ausgezeichneten Kindergärten und Schulen machten sichtbar, wie vielfältig Klimabildung in der Steiermark bereits umgesetzt wird. Klimaschutz wird dabei nicht als einzelnes Projekt verstanden, sondern in den Bildungsalltag integriert und gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen gelebt.

Klima-Peers: Junge Menschen gestalten Veränderung mit

Besondere Würdigung erfuhren im Rahmen der Fachtagung auch die Klima-Peers. Junge Menschen setzen sich dabei intensiv mit Klimaschutz auseinander und werden selbst zu Multiplikator. Sie bringen ihr Wissen, ihre Perspektiven und Ideen in ihr schulisches und persönliches Umfeld ein und erreichen andere Jugendliche auf Augenhöhe. Damit stehen die Klima-Peers beispielhaft für einen wesentlichen Ansatz der steirischen Klimabildung: Kinder und Jugendliche nicht nur über die Klimakrise zu informieren, sondern ihnen Beteiligung zu ermöglichen und sie darin zu stärken, ihren eigenen Einflussbereich zu erkennen und gemeinsam mit anderen wirksam zu werden.

Von der Theorie in die Praxis

In den Praxisforen am Nachmittag wurden die inhaltlichen Impulse des Vormittags weitergeführt und mit konkreten Methoden, Projekten und Erfahrungen aus der Bildungsarbeit verbunden. Die Teilnehmenden konnten neue Ansätze kennenlernen, eigene Erfahrungen einbringen und Impulse für ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mitnehmen. Mit rund 180 Teilnehmer wurde die Fachtagung zu einem starken Zeichen für die Bedeutung der Klimabildung in der Steiermark. Zugleich machte der Tag deutlich, was sich wie ein roter Faden durch die unterschiedlichen Beiträge zog: Veränderung braucht Wissen – aber ebenso die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Emotionen umzugehen, den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen und gemeinsam mit anderen wirksam zu werden.

Fotocredits: Lunghammer