ANREGUNGEN FÜR ENTSCHEIDUNGSFINDUNGEN

ANREGUNGEN FÜR ENTSCHEIDUNGSFINDUNGEN

In unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beziehen wir uns auf die Kinderrechte. In den Artikeln 12 und 13 der UN-Kinderrechtekonvention geht es darum, dass sie ihre Meinung in allen sie betreffenden Angelegenheiten frei äußern dürfen, entsprechend ihrem Alter und ihrer Reife.

Erste Möglichkeiten mitzuplanen und mitzuentscheiden eröffnen sich bei Entscheidungen in der Familie. Dabei geht es nicht um die Erfüllung aller Wünsche, sondern um die Einbeziehung aller Betroffenen, um das Gegenseitige erkennen und respektieren von Bedürfnissen. Kinder erleben durch Aushandlungsprozesse faire Entscheidungen, und vor allem transparente. Es ist nachvollziehbar wie Entscheidungen getroffen wurden, die mitunter Kompromisse oder ein Konsens wurden. Es bedeutet aber nicht, dass damit jedweder Widerstand oder Ärger einer Partei ausgeschlossen ist.

In der momentanen Situation, in der Eltern und Kinder viel mehr Zeit zu Hause verbringen, möchten wir bezugnehmend auf unsere Arbeit Anregungen für Entscheidungsfindungen und Mitbestimmung bei der Tages-/Wochenplanung geben.

 

Wie werden Entscheidungen getroffen?
Neben dem klassischen Abstimmen gibt es auch noch die Möglichkeit zu konsensieren. Aus unserer Arbeitspraxis wissen wir, dass Konsensieren mit Kindern gut gelingen kann.

In den Workshops achten wir darauf, dass nicht nur Mehrheitsentscheidungen (Abstimmungen) ihren Platz haben, sondern wir probieren auch aus, wie es ist, einen Konsens zu finden. Zu Konsensieren bedeutet, dass die Gruppe zu einer Entscheidung kommt, die für alle Anwesenden zufriedenstellend ist. Es steht nicht die Zustimmung, sondern die  Widerstände stehen im Vordergrund. Dazu ist es nötig, dass man miteinander diskutiert, Argumente einbringt und auch Bedenken äußert. Der geringste Widerstand bedeutet die größtmögliche Akzeptanz.

Beispiele für die Anwendung: Auswahl von Spielen, welcher Film wird gemeinsam angesehen, Gestaltung der freien Zeit.

Beispiel Filmauswahl mit einer „Leiter“:
Man zeichnet sich eine „Leiter“ mit mehreren Sprossen. Jedes Familienmitglied bringt einen Filmvorschlag ein. Jeder Film wird auf ein kleines Blatt geschrieben und vorgestellt. Alle haben die Chance zu sagen, ob man mit dem Film einverstanden ist oder nicht. Wenn der Film ein „ja“ bekommt, dann wird er eine Leitersprosse nach oben gereiht. Bei einem „nein“ bleibt er auf derselben Sprosse. Mithilfe dieser Methode kann ein Film auf eine höhere Sprosse als alle anderen gelangen.

Beispiel Filmauswahl mit 4 Smileys:
Die Filmvorschläge werden auf ein Blatt Papier geschrieben und unter den Smileys aufgelegt. Alle nehmen einen Gegenstand (zB Legostein) und legen diesen auf einen der vier Smileys, der passend für sie für den jeweiligen Film ist. Die Auswahlmöglichkeiten sind: „Stimme voll zu, passt für mich“, „Von mir aus – ich akzeptiere“, „Stimme zu, aber mit bedenken“, „Ich bin dagegen!“

Wenn es Gegenstimmen zu einem Film gibt, wird besprochen, was für diesen Film spricht bzw. dagegen. Der Film mit dem wenigsten Widerstand wird dann ausgewählt.

 

Ideenparkplatz
Wer hat welche Ideen und möchte, dass diese umgesetzt werden sollen? Momentan ist keine Zeit dafür, aber die Idee soll nicht vergessen werden? Dazu kann man einen Ideenparkplatz gestalten. An einem beliebigen Ort wird ein Blatt mit der Überschrift Ideenparkplatz aufgehängt bzw. hingelegt. Alle haben die Möglichkeit ihre Vorschläge draufzuschreiben, damit die Ideen sichtbar und nicht vergessen werden.

Beispielsweise wird in der Früh (am Wochenende ist mehr Zeit) besprochen, welche der Ideen an diesem Tag gemacht werden können. So kann aus einem Pool geschöpft werden, in dem alle Beteiligten mitgewirkt haben.

 

Mitbestimmung bei der Wochengestaltung
Wir wissen, wie wichtig ein Tages-/Wochenplan in dieser Zeit ist. Und auch, dass diese Strukturen eventuell zu Stress führen können, wenn keine freien Zeitfenster mehr vorhanden sind. Hilfreich kann es sein, wenn freie Zeitfenster in dieser Planung vorkommen, damit Raum für Flexibilität bleit und für spontane Ideen (welche auch vom Ideenparkplatz kommen können).  

Gewisse Strukturen bei der Planung sind wahrscheinlich aus der Erwachsenensicht nicht verhandelbar, aber es gibt doch einige, bei denen man Kinder und Jugendliche miteinbeziehen sollte. Wann beispielsweise freie Zeitfenster eingeplant werden und was da gemacht werden soll.