GEMEINDEPLANSPIEL: WEIZ SPIELT SILBERTHAL

GEMEINDEPLANSPIEL: WEIZ SPIELT SILBERTHAL

Die Stadt Weiz hatte für einen Abend lang einen neuen Bürgermeister: Beim Gemeindeplanspiel „Silberthal“ schlüpften rund 30 begeisterte Weizerinnen und Weizer am Freitag in neue Rollen.

Bürgermeister Erwin Eggenreich wurde per Los zum erbitterten Naturschützer Prof. Vogelsang und sein oberstes Ziel die Rettung der Stotteramsel. Aus Vizebürgermeisterin Iris Thosold wurde eine rebellierende Schulabbrecherin. An Stelle der beiden zogen der neue Bürgermeister Engelbert Maier (vormals Stadtführer und Pensionist) und seine Stellvertreterin Katja Kleinhappel (im echten Leben Mitarbeiterin des Jugendhauses) ins Rathaus ein, um in dem politischen Planspiel die Geschicke von „Silberthal“ zu lenken.

 

Das Erbe des Grafen Silabars

Die schwierige Aufgabe des Abends, die den Mitspielern von der Beteiligungsgesellschaft „beteiligung.st“ gestellt wurde: Trotz entgegengesetzter Ziele der unterschiedlichen Interessensgruppen galt es, eine gemeinsame Lösung für einen Auftrag zu finden. Die kleine Gemeinde hatte nämlich von Graf Friedrich von Silabar ein brachliegendes Grundstück geschenkt bekommen, für das man eine sinnvolle Nutzung finden sollte, mit der alle Bewohner einverstanden sind.

Eine Aufgabe, der die Teilnehmer mit großem Eifer nachgingen, mit diverser Verkleidungsstücke wurden die Rollen von Künstlern, Wirtschaftsbossen, Pensionistenvertretern und Jugendlichen aus der Post-Hippie-Generation zum Leben erweckt. Einer emotionalen Bürgerversammlung folgten hitzige Debatten am Stammtisch im „Silberwirt“ und im ortseigenen Kaffeehaus, eifrig wurde an Allianzen geschmiedet und die Reporter des Revolverblattes „Silberthaler Abendbild“ streuten Gerüchte in die Runde. Gelebter Gemeindealltag eben.

 

Partyzone vs. Wohngebiet

Die entstandenen Ideen hätten unterschiedlicher nicht sein können: sollte man eine Messehalle bauen? Das Grundstück zum Naturschutzgebiet erheben? Soll es eine Partyzone werden, oder eine Wohnsiedlung? Schließlich einigte sich die Bevölkerung von „Silberthal“ auf einen Kompromiss: Auf dem Grundstück wird eine Mehrzweckhalle errichtet, die von allen Bewohnern genutzt werden kann. Nach dem Vorbild des Weizer Rathauszubaus soll die Fassade der Halle begrünt werden, damit auch die Stotteramsel nicht zu kurz kommt und genügend Nistplätze hat.

„Man soll nie was versprechen, was man nicht halten kann. Auch nicht als Politiker“, lautet das Resümee von „Silberthal“-Bürgermeister Engelbert Maier, der mit äußerst hartnäckigem Widerstand von Prof. Vogelsang zu kämpfen hatte.

 

Ein Experiment für mehr Bürgerengagement

„Silberthal“ hatte in Weiz Premiere. „beteiligung.st“ plant, das gelungene Experiment auch in anderen Kommunen durchzuführen, angedacht ist etwa auch Graz. Für Iris Thosold, die außerhalb von „Silberthal“ Referentin für Bürgerbeteiligung ist und das Planspiel nach Weiz gebracht hatte, war es jedenfalls ein voller Erfolg: „Ich habe zu diesem Gemeindeplanspiel eingeladen, um den Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, dass es auch in der Politik nicht einfach ist, zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen. Danke allen, die sich auf dieses Experiment eingelassen und so engagiert Politik betrieben haben. Das Schönste wäre natürlich, wenn das Spiel den einen oder anderen dazu anregt, sich auch im echten Leben politisch zu engagieren.“

Begeistert zeigte sich auch Bildungslandesrätin Ursula Lackner, die zu Beginn des Spiels dabei war. Politik schaue von außen manchmal leichter aus, als sie ist, meinte sie, ein Einblick sei deshalb immer interessant. Vielleicht hilft „Silberthal“ ja, zu mehr Verständnis beizutragen.

 

Bei Interesse und für Informationen kontaktieren Sie bitte Frau Daniela Köck, GF beteiligung.st!

 

(c) Text: Petra Fleck, Stadtkommunikation Weiz