die fachstelle für kinder-, jugend- und bürgerInnenbeteiligung

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Partizipative Methoden in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Konzeptentwicklung und Partizipation

„Eine Konzeption, die an den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen […] orientiert ist, benötigt als Grundlage eine detaillierte Lebensweltanalyse, um darauf aufbauend Anforderungen, Ziele und Aufgaben der Kinder- und Jugendarbeit entwickeln zu können.“ (U. Deinet 2005, 227)

Für die Konzeptentwicklung werden zum einen statistische Daten zu der Einrichtung und den Angeboten der Offenen Jugendarbeit sowie allgemein zur Bevölkerungsstruktur der Gemeinde bzw. des Sozialraumes herangezogen. Zum anderen werden die genannten lebensrelevanten Daten und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt, welche mithilfe von Methoden aus der Sozial- und Lebensweltanalyse sowie aus der empirischen Sozialforschung erhoben werden.

 

Die im Folgenden exemplarisch angeführten Erhebungsmethoden können als aktivierende Projekte direkt in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden und gleichzeitig Möglichkeiten zur Kinder- und Jugendbeteiligung eröffnen.

 

Stadtteilbegehung von Fachkräften der Jugendarbeit

Stadtteilbegehung mit Kindern und Jugendlichen

Nadelmethode

Cliquenraster

Subjektive Landkarten

Autofotografie

Zeitbudgets von Kindern und Jugendlichen

Befragung von Schlüsselpersonen

Institutionenbefragung

 

Weiterführende Beschreibungen zur jeweiligen Methode mit Dokumentationsbeispielen, Beobachtungsprotokollen und verschiedensten Praxisanleitungen finden sich in:

Ulrich Deinet: Analyse und Beteiligungsmethoden, erschienen in: Ulrich Deinet (Hrsg.): Methodenbuch Sozialraum, Wiesbaden 2009, 68f.

Richard Krisch (2009): Sozialräumliche Methodik der Jugendarbeit. Aktivierende Zugänge und praxisleitende Verfahren, Weinheim/München 2009, 88–97.

Ulrich Deinet: Das sozialräumliche Muster in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, in: U. Deinet & B. Sturzenhecker (Hrsg): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit, Wiesbaden 2005, 227.

 

Grade und Ebenen von Partizipation im Jugendhaus

Beteiligung ist nicht gleich Beteiligung: Nicht überall, wo Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam auftreten, kann von kind- und jugendgerechter Partizipation gesprochen werden. Für die Arbeit ist es wichtig, sich bewusst zu sein, in welcher Stufe das Beteiligungsvorhaben angesetzt wird.

Die Partizipationsleiter nach Richard Schröder (s. eigene Abbildung unten) veranschaulicht die Intensität der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen anhand eines Stufenmodells, das von der Fremdbestimmung (weil keine Partizipation von Jugendlichen) bis zur Selbstbestimmung (weil ausschließlich Partizipation von Jugendlichen) führt.

Beteiligungsleiter in Anlehnung an R Schröder

 

Für die Offene Kinder- und Jugendarbeit hat Benedikt Sturzenhecker (2003 nach Arnstein 1996) die Grade von Partizipation im Jugendhaus (s. Sturzenhecker 2003, Abschnitt 6.2.) festgelegt. Beide Modelle unterstützen bei der Feststellung der Intensität von Partizipation in der Praxis. Sie dienen als Orientierung zur Konzeptentwicklung und Bestimmung von Zielen. Zudem lassen sich die bereits bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten im Jugendhaus auf die Grade oder Stufen der Beteiligung zuordnen. Basierend darauf reflektieren die Fachkräfte ob und inwieweit die bisherige Partizipationspraxis in ihrer Einrichtung erweitert werden soll.

Die Beteiligungskonzepte im Jugendhaus beziehen sich auf mehrere Ebenen (Individuum, Gruppe, Einrichtung, Kommune). Folgende Methoden bieten sich auf den unterschiedlichen Ebenen an:

  • House-Checkup oder My Way
  • Big Brother: Wer bestimmt hier über dich?
  • Mediation zur Identifikation von Gruppeninteressen
  • Das Buch der Macht oder Über was entscheidet wer im Haus?
  • Zur Reflexion: Wieso eigentlich? Hinterfragen von Macht- und Entscheidungsstrukturen
  • Die Bestimmer – eine Landkarte der Entscheidungen (Soziogramm/Machtpyramide)
  • Hausversammlungen
  • Haus-Rat mit gewählten VertreterInnen oder Mädchen-Rat/Burschen-Rat
  • Das Grundgesetz – Deine Recht in unserem Jugendhaus

Eine detailliertere Methodenbeschreibung und Einbettung in den Offenen Betrieb ist nachzulesen in:

Benedikt Sturzenhecker: Partizipation in der Offenen Jugendarbeit, erschienen in: BMFSFJ –Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Kiste Bausteine für die Kinder und Jugendbeteiligung, Entwicklung und Wissenschaftliche Leitung Prof. W. Stange (FH Lüneburg, Forschungsstelle Kinderpolitik), Infostelle Kinderpolitik des Deutschen Kinderhilfswerkes, Berlin 2003, Abschnitte 6.2.–6.4.

 

Formen von Partizipation im Jugendhaus

Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen kann in unterschiedlichen Formen gelebt und etabliert werden: alltäglich, offen, repräsentativ oder in projektorientierter Form. Der Methodenpool dahingehend ist vielseitig; die nachstehende Auflistung stellt einen Auszug aus der oben zitierten Beschreibung Sturzenheckers dar (vgl. ebd., Abschnitt 6.4):

 

Alltägliche Form/im Offenen Betrieb

  • Ideenwand, Meckerkasten
  • ChefIn für einen Tag
  • Offene Teamsitzung oder Freier Stuhl im Kreis des Teams
  • Spontane Konfliktlösung
  • Medation
  • Spontane Aktivitäten (Raumnutzung und -gestaltung, Ortswechsel, Kochen)

Offene Form

  • Hausversammlung
  • Mädchenplenum/Burschenplenum/Altersstufenplenum
  • Regelmäßige Kurzbefragungen bzw. Interviews
  • Workshops zu bestimmten Themen
  • Fokusgruppen
  • Beratungen/Information

Repräsentative Form

  • Haus-Rat mit gewählten VertreterInnen
  • Mädchen-Rat/Burschen-Rat
  • GruppensprecherInnen
  • Hausvorstand mit pädagogischem Team, TrägervertreterIn, gewählte VertreterInnen der BesucherInnen

Projektorientierte Form

  • Workshops oder Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen und Anliegen
  • Programm- und Angebotsplanung
  • Regeln für ein Miteinander/Hausregeln
  • Planung und Durchführung von Sonderaktionen