Beteiligungsformen
Beteiligung bedeutet Mitwirkung bzw. Mitbestimmung am demokratischen System. Jugendbeteiligung heißt, dass Jugendliche in der Gemeinde mitreden, mitbestimmen und ihr Lebensumfeld mitgestalten können. Grundsätzlich kann man zwischen drei Formen von Beteiligung oder Partizipation unterscheiden:
Projektbezogene Formen
Bei projektbezogener Partizipation handelt es sich im Allgemeinen um Aktivitäten, die einen eingrenzbaren Zeit- und Planungshorizont haben. In der Praxis ist diese Form der Beteiligung sehr häufig, da durch sie das Interesse von Jugendlichen und Erwachsenen geweckt werden kann und sie durch Spaß und sichtbare Erfolge gekennzeichnet ist.
Beteiligungswerkstatt
Die Beteiligungswerkstatt wurde von beteiligung.st gezielt für den Einsatz in steirischen Gemeinden entwickelt. Unter Moderation von beteiligung.st erarbeiten Jugendliche im Alter von 13-20 Jahren, Mitglieder des Gemeinderats, MitarbeiterInnen der Verwaltung und Verantwortliche in Vereinen gemeinsam Projekte für ihre Gemeinde. Im Zentrum der Beteiligungswerkstatt steht das gemeinsame Visionieren und Entwickeln von Ideen für das Zusammenleben, Ziel ist die konkrete Umsetzung dieser Projektideen. Durch diese kooperative Arbeitsweise kann in den Gemeinden Kinder- und Jugendfreundlichkeit gewährleistet werden. Die aktive Einbindung von Kindern und Jugendlichen in die Kommunalpolitik, macht aus einer Politik „für“ eine Politik „mit“ Kindern bzw. Jugendlichen.
Fragebogenerhebung
Eine Fragebogenerhebung bei Kindern und Jugendlichen kann der erste Schritt für erfolgreiche Partizipation in einer Gemeinde sein. Die Kinder- und Jugendbefragung hat den Vorteil, dass sie bereits im Vorfeld von Beteiligung Wünsche, Nöte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen feststellen kann. Mittels der Befragung werden die Lebenswelt, die politischen und kommunalen Interessen sowie die Beteiligungswünsche der Kinder und Jugendlichen abgefragt. Die Ergebnisse dieser Befragung können als Grundlage für ein weiteres gezieltes Vorgehen genutzt werden.
Offene Formen
Offene Formen sind Modelle, die Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihre Meinung und Bedürfnisse gegenüber BürgermeisterInnen und Gemeindeverantwortlichen zu artikulieren. Die Jugendlichen können dies entweder im direkten Gespräch, in Diskussionsrunden oder in Umfragen tun. Die Modelle der offenen Form lassen keine Verpflichtung zur Regelmäßigkeit für die Jugendlichen und Kinder entstehen.
Open Space
Die Open Space-Methode ermöglicht es, mit vielen Beteiligten schnell und effektiv zu arbeiten und kann in Schulen, in der Gemeinde oder im Jugendzentrum eingesetzt werden. Dabei wird im Rahmen einer Veranstaltung ein Leitthema behandelt, das die Teilnehmenden selbst in Einzelthemen aufgliedern und in Workshops bearbeiten. Das Wissen und die unterschiedlichen Kompetenzen aller Beteiligten werden unabhängig von Hierarchien erschlossen und in kürzester Zeit werden Ideen, Lösungsvorschläge und Maßnahmen entwickelt. So können gemeinsam nachhaltige Prozesse in der Schule, in der Gemeinde oder im Jugendzentrum angeregt werden.
Parlamentarische und ähnliche Formen
Hier finden sich Modelle, die durch Kontinuität und formale Strukturen gekennzeichnet sind. Beispiele für parlamentarische und ähnliche Formen sind: Kinder- oder Jugendgemeinderat, Jugendlandtag, Kinder- und Jugendbeauftragte.
Kindergemeinderat
In vielen Gemeinden wurden schon Kindergemeinderäte initiiert, um den jüngeren Gemeindemitgliedern eine Möglichkeit zu bieten, sich aktiv in die Gemeindepolitik einzubringen und gemeinsam mit den Verantwortlichen kinder- und jugendfreundliche Ideen umzusetzen. Am Beginn eines Kindergemeinderats kann eine Wahl stehen. Eine andere Möglichkeit ist eine Einladung mit starkem Aufforderungscharakter, die an alle Kinder der Altersgruppe ergeht. Die Amtsperiode beträgt gewöhnlich zwei Jahre. Ein Kindergemeinderat ist eine gute Voraussetzung zur ständigen Zusammenarbeit zwischen Kindern und Erwachsenen und eine gute Basis für Folgeprojekte. Ein Kindergemeinderat hat prinzipiell die Aufgabe, die EntscheidungsträgerInnen in Kinder- und Jugendfragen zu beraten, was natürlich nur dann Sinn macht, wenn er ernst genommen und bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt wird.
Damit Kindergemeinderäte ein echtes Mitbestimmungsinstrument werden, sollten sie in ein Gesamtkonzept zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eingebettet werden.
Jugendforum
Jugendforen können auf verschiedene Arten gebildet werden. Zum einen können sie als lose Zusammenkunft von Jugendlichen und Erwachsenen entstehen. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, die VertreterInnen des Jugendforums zu wählen. Die Bestellung kann aber auch nach dem Delegationsprinzip erfolgen, das heißt, dass Jugendorganisationen, -vereine und freie Jugendinitiativen VertreterInnen zu regelmäßigen Treffen entsenden. Einem Jugendforum kann die Aufgabe übertragen werden, Mitgestaltungsmodelle und -projekte zu initiieren und zu betreiben. Durch gemeinsames Arbeiten werden Ziele schneller und effizienter erreicht.
